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Wall-Street-Veteran und Oak Tree Capital-Manager Howard Marks sagte kürzlich eine aufrüttelnde Aussage. Im Wesentlichen bedeutet sie: Wenn dieser AI-Hype am Ende nicht in einer klassischen Blasenexplosion endet, wird er der einzige Ausnahmefall in der Menschheitsgeschichte der Finanzmärkte sein.
Doch das Problem ist, dass die meisten Menschen auf die falschen Stellen schauen.
Wir streiten noch darüber, ob die Nvidia-Aktie zu teuer ist oder wer der nächste Cisco werden könnte. Alle starren auf die Bewegungen der Kerzencharts und versuchen, Anzeichen für einen Zusammenbruch zu finden. Doch der wahre Sturm liegt nicht an den belebten Börsen, sondern in der stillen, verborgenen Ecke, die über Leben und Tod entscheidet – dem Kreditmarkt.
Hier handelt es sich nicht um eine mathematische Frage zum Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), sondern um ein Hochrisikospiel, das auf enormen Schulden basiert.
01 Das verschwindende „Cash-Cow“
In dieser Geschichte ist unsere größte Illusion, dass Tech-Giganten unermesslich reich sind. Wir glauben, sie nutzen das verdiente Geld, um mit KI die Welt neu zu gestalten.
Doch die Zahlen in den Büchern offenbaren eine ganz andere Realität.
Zurück zum Zeitpunkt vor dem ChatGPT-Boom. Damals war Microsoft die sicherste „Cash-Cow“ auf diesem Planeten. Es verfügte über mehr Bargeld als Schulden, um 30 %, und war so stabil wie ein Fels. Doch nur wenige Jahre später, um die gierige KI zu füttern, kehrte sich die Lage grundlegend um: Heute sind die Schulden von Microsoft um 20 % höher als das Bargeld.
Meta (ehemals Facebook) ist noch extremer. 2022 war das Bargeld bei Zuckerberg dreimal so hoch wie die Schulden; im letzten Quartal hat sich das Schuldenvolumen bereits um 15 % über die Bargeldreserven geschoben.
Amazon, das schon immer auf hohe Hebel gesetzt hat, hat jetzt Schulden, die die Hälfte des Bargelds übersteigen. Und bei Oracle, dem einstigen Software-Imperium, das auf Geld zählen konnte, sind die Cashflows knapp, und es lastet eine riesige Schuldenlast auf dem Unternehmen.
In nur vier Jahren haben sich die Giganten im Silicon Valley verändert. Um den unerreichbaren „Heiligen Gral“ der KI zu jagen, der erst in ferner Zukunft Früchte trägt, haben sie nicht nur ihre Rücklagen aufgebraucht, sondern auch zukünftige Einnahmen verpfändet und riesige Kredite aufgenommen.
02 Das unaufhaltsame „Bauprojekt“
Hier geht es nicht nur um Geld, sondern um eine Geschichte ohne Ausweg.
Zurückblickend auf die Finanzkrise 2008: Als die Immobilienpreise zusammenbrachen und das Geld knapp wurde, trafen hoch verschuldete Hausbesitzer eine zwar schmerzhafte, aber rationale Entscheidung: Sie übergaben die Schlüssel an die Bank und gingen. Das ist persönliche Insolvenz – den Scherbenhaufen bei der Bank lassen, das Leben geht weiter.
Doch im Spiel um KI gibt es keine Option „Schlüssel an die Bank übergeben“.
Microsoft, Oracle, Meta – sie sind heute eher wie Bauherren, die fertigstellen müssen. Wenn sie Verträge im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar für Chips unterschreiben oder Serverfarmen auf dem Baugrund errichten, setzen sie damit eine Art „Blutgeld“ aufs Spiel.
Wenn morgen die Kreditvergabe eingeschränkt wird und sie kein Geld mehr bekommen, können Oracle und Co. dann sagen: „Wir hören auf“ und die halbfertigen Rechenzentren stehen lassen? Nein.
Denn wenn diese unfertigen Projekte nicht fertiggestellt werden, sind sie nicht nur wertlos, sondern ziehen auch hohe Vertragsstrafen nach sich und führen zum sofortigen Zusammenbruch ihrer Kernkompetenz.
Deshalb müssen sie, selbst wenn es ein Feuerloch ist, weiter Geld verbrennen.
Es ist eine typische Schuldenfalle: Egal, ob KI jetzt Gewinne abwirft oder nicht, man darf nicht aufhören. Stoppt man, sind die hunderte Milliarden sofort weg; macht man weiter, braucht man unaufhörlich neue Kredite.
Deshalb ist die KI-Blase gefährlicher als die Aktienmarktblase. Wenn der Aktienmarkt zusammenbricht (wie 2000), verlieren die Leute nur Vermögen und müssen etwas sparsamer leben; aber wenn die Kreditvergabe zusammenbricht und diese Giganten kein Geld mehr bekommen, um ihre Infrastruktur zu betreiben, bedeutet das einen Herzstillstand.
03 Angst ist der höchste Hebel
Warum treiben diese hochintelligenten CEOs sich kollektiv in die Enge?
Weil sie Angst haben.
Es ist nicht nur Gier, sondern eine tief verwurzelte Überlebensangst. An einem Scheideweg der technologischen Revolution bedeutet Nicht-Teilnahme den Tod. Wenn man nur am Ufer sitzt und zuschaut, verpasst man den nächsten großen Seefahrts-Ära. Um am Spiel teilzunehmen, bleibt den Giganten nichts anderes übrig, als Schulden zu machen und zu wetten.
So sehen wir dieses riesige Zwei-Wege-Glücksspiel:
Wenn KI erfolgreich ist: Das könnte 6 bis 10 Jahre dauern. Doch in diesen Jahren müssen die Unternehmen mit hohen Zinsen voranschreiten, und das Geld, das eigentlich für Innovationen gedacht war, fließt in die Schuldentilgung. Das macht einst leichte Tech-Giganten schwerfällig.
Wenn die Kreditvergabe zuerst zusammenbricht: Bevor KI wirklich Geld abwirft, könnten Banken das Risiko als zu hoch einschätzen und die Kredite einschränken. Dann würde der auf Schulden basierende Geschäftszyklus wie eine gespannte Saite reißen.
Die Tech-Branche ist momentan wie ein Brand, dem man Benzin nachgießt. Auf der Oberfläche sehen wir nur den Börsenrausch, doch im Untergrund hat sich die Schuldenlast wie Brennstoff im Boden angesammelt.
04 Das Endspiel
Die meisten Investoren denken: „Ich bin klug, ich kann vor dem Platzen der Blase fliehen.“
Das ist eine typische Überlebensillusion. Jeder träumt davon, an der Spitze auszusteigen, Staatsanleihen zu kaufen und am Strand die Sonne zu genießen. Doch die Geschichte läuft nie nach diesem Drehbuch.
Es ist wie eine Rolltreppe nach oben – ruhig, bequem, schläfrig –, aber beim Herunterfahren stürzt man oft direkt in den Aufzugsschacht. Wenn das schwere Tor des Kreditzyklus sich schließt, stehen alle auf der engen Bahn – also in den wenigen Kern-Tech-Aktien – und der Ausgang ist sofort versperrt.
Deshalb sollte man nicht nur auf den nächsten Tag bei Nvidia schauen, ob die Aktie steigt oder fällt. Das eigentliche Risiko liegt darin, ob die Kreditbasis, die diesen ganzen Wohlstand trägt, noch stabil ist.
Wenn Microsoft anfängt wie ein hoch verschuldeter Immobilienentwickler zu agieren, sollten wir aufwachen: Es geht hier nicht nur um Tech-Träume, sondern um eine harte Geschichte, wie man im Schuldenmassengrab überlebt.