Der Vorsitzende der Federal Reserve, Powell, wird heute Abend an der Harvard University auftreten und voraussichtlich seine Haltung bekräftigen, den Leitzins unverändert zu lassen – und genau der Inflationsdruck, den die eigene Nahost-Politik von Trump ausgelöst hat, hindert ihn daran, zu senken.
(Vorgeschichte: Powell räumt Strafrechts-Ermittlungen ein: weil ich die Forderung von Trump nach Zinssenkung abgelehnt habe, wurde ich ins Visier genommen)
(Hintergrund-Ergänzung: Trump hat Powell öffentlich angepöbelt: „Dich zu feuern ist schneller als Zinssenkungen“ – wird die Unabhängigkeit der Federal Reserve beeinträchtigt und den Markt erschüttern?)
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Der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, wird heute Abend um 22:30 Uhr an der Harvard University auftreten, um an einer Diskussionsrunde im Einführungsunterricht für Wirtschaftswissenschaften teilzunehmen. Für die Veranstaltung ist kein klar festgelegtes Thema vorgegeben; erwartet wird, dass sie die wirtschaftliche Lage, die Entwicklung der Inflation und die Ausrichtung der Geldpolitik abdeckt.
Das ist eines der am stärksten beobachteten Ereignisse des Wochenendes, und eine weitere Variable sind Schlagzeilen-Risiken aus der Lage im Nahen Osten. Diese Woche markiert auch den Übergang von März zu April: Arbeitsmarktindikatoren rücken wieder in den Fokus, und Statistiken wie Beschäftigungsdaten (Nonfarm) werden nach und nach veröffentlicht, was den Interpretationsspielraum für Powells Aussagen erweitert.
Analysten gehen davon aus, dass Powell dieses Mal keine sensiblen Bereiche rund um die „Politisierung der Fed“ von sich aus berühren wird, aber ein zentrales Signal vermitteln könnte: Solange die Lage im Nahen Osten noch nicht klar ist, tendiert die Fed dazu, die Anpassung der Zinsen auszusetzen und sich politische Flexibilität zu erhalten.
Diese Haltung stimmt mit dem Grundton der Pressekonferenz nach dem FOMC-Treffen am 18. März überein. Damals betonte Powell den doppelten Auftrag – maximale Beschäftigung und Preisstabilität – und erklärte, dass die Fed angesichts von Unsicherheiten in beiden Zielbereichen nicht eilig sei zu handeln.
Wenn sich der Konflikt im Nahen Osten verschärft, würde der Druck auf die Energie-Inflation zurückschlagen, und der Spielraum für Zinssenkungen der Fed würde sich entsprechend verengen. Genau das ist das Szenario, das der Markt derzeit am meisten fürchtet: Nicht eine Rezession, sondern eine festhängende Inflation, die die Fed am Handeln hindert.
Der bittere Witz der Lage besteht darin, dass ein Teil dessen, was die Fed daran hindert, zu senken, die Konsequenzen aus Trumps eigener Politik sind.
Wenn die Lage im Nahen Osten eskaliert und die Energiepreise unter Druck geraten, wird die Inflationserwartung dadurch schwerlich abkühlen können – die Ursprungsquelle dieser Logikkette führt zu den Entscheidungen der Außen- und Energiepolitik im Weißen Haus. Gleichzeitig übt Trump weiterhin öffentlichen Druck auf Powell aus, die Zinsen zu senken, und stellt sogar in Aussicht: „Fire du schneller als Zinssenkungen“.
Analysten schätzen, dass, falls Powell heute Abend erneut darauf hinweist, die Zinssenkungen auszusetzen, Trump nach Abschluss der Veranstaltung höchstwahrscheinlich ein weiteres Mal zum Angriff übergehen wird. Die Spannung zwischen beiden Parteien ist längst nicht mehr nur eine persönliche Fehde, sondern vielmehr ein Stresstest für die verfassungsrechtliche Schutzlinie der Fed-Unabhängigkeit.
Noch komplizierter ist der Hintergrund: Powell steht derzeit vor einer strafrechtlichen Ermittlung des Justizministeriums. Auslöser sind Kosten für Umbauarbeiten in seinem Büro. Er hat öffentlich erklärt, dass der Zeitpunkt dieser Untersuchung stark mit der Zeit übereinstimmt, in der er Trumps Forderung nach einer Zinssenkung abgelehnt hat. Der Anhörungstermin für den designierten Nachfolger Warsh soll spätestens am 13. April stattfinden; Powells Amtszeit endet am 15. Mai. Er erklärte, er werde weiter im Amt bleiben, bis der Nachfolger bestätigt ist.
Für den Krypto-Markt beeinflussen Powells heutige Aussagen zwar die Stimmung kurzfristig, entscheidender sind jedoch strukturelle Signale.
Wenn Zinssenkungserwartungen weiterhin nach hinten verschoben werden, bleibt die Dollar-Liquidität tendenziell angespannt, und damit wird die Bewertungsobergrenze für Risikoassets wie Bitcoin gedrückt. Zuvor hatten bereits drei Fed-Vertreter unisono gewarnt, dass der Kriegsausbruch mit Iran Zinssenkungen noch weiter in die Ferne rückt – der Markt hatte darauf bereits frühzeitig eine Erwartung.
Auch die Arbeitsmarktindikatoren dieser Woche sind ein Beobachtungsschwerpunkt. Wenn die Beschäftigungszahlen stark ausfallen, wird die Argumentation zur zähen Inflation noch stärker verfestigt, und Powells Position, nicht eilig zu sein, dürfte schwerer zu erschüttern sein. Umgekehrt, falls sich der Arbeitsmarkt abschwächt, wird die latente Sorge eines „Stagflations“-Szenarios erst wirklich auf den Tisch kommen – und dann könnte die Marktreaktion noch komplexer ausfallen.
Kurzfristig gilt: Wenn Powell heute Abend vorsichtig bei der Wortwahl bleibt und keine „Tauben“-Signale freigibt, wird der Aufwärtsimpuls im Krypto-Markt weiter unter Druck stehen. Worauf Investoren mit angehaltenem Atem warten, ist nicht nur dieses Harvard-Event, sondern die Lösung für das komplette Bündel aus Geografie (Geopolitik), Inflation und politischen Verwicklungen dahinter – und dafür gibt es derzeit noch keine Antwort.