
US-Energieminister Chris Wright kündigte am Mittwoch an, dass die Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) einstimmig der Aufforderung von Präsident Trump zugestimmt haben, ihre jeweiligen Reserven an insgesamt 400 Millionen Barrel Öl und Produkten freizugeben. Präsident Trump autorisierte das Energieministerium, ab nächster Woche 172 Millionen Barrel Öl aus den strategischen Ölreserven (SPR) freizugeben, wobei die geplante Freigaberate voraussichtlich etwa 120 Tage benötigen wird. Iran hatte zuvor gewarnt, dass die globalen Ölpreise auf 200 US-Dollar steigen könnten.

(Quelle: US-Energieministerium X)
Laut Erklärung von Energieminister Wright enthält diese Reserveaktion mehrere wichtige Details:
Außergewöhnliches Ausmaß: 172 Millionen Barrel sind eine der größten Einzel-Freisetzungen der US-Geschichte aus der SPR. Zusammen mit den koordinierenden Maßnahmen anderer IEA-Mitgliedsstaaten werden weltweit insgesamt 400 Millionen Barrel freigegeben.
Vereinbarter Nachfüllplan: Die USA planen, innerhalb eines Jahres etwa 200 Millionen Barrel strategischer Ölreserven wieder aufzufüllen – mehr als die aktuelle Freigabe, und „ohne dass Steuerzahler Kosten tragen müssen“.
Klare geopolitische Motivation: Wright nannte in seiner Erklärung direkt, dass diese Maßnahme eine Reaktion auf die seit 47 Jahren andauernde Bedrohung der Energieversorgung der USA und ihrer Verbündeten durch den Iran sei. „Unter der Führung von Präsident Trump wird diese Situation bald beendet sein.“
Dennoch bleibt die Marktreaktion auf diese Maßnahmen skeptisch. Bereits nach der Ankündigung der Notfallöl-Freisetzung durch die IEA stiegen die Rohölpreise deutlich – die eigentliche Sorge der Märkte ist nicht die kurzfristige Lagerbestandsmenge, sondern die langfristige Sicherheit der Schifffahrt durch den Persischen Golf.
Der Zusammenhang zwischen Öl und Bitcoin erscheint enger, als es auf den ersten Blick scheint. Sebastián Serrano, CEO der argentinischen Kryptowährungsbörse Ripio, erklärt die logische Verbindung: „Wenn die Energiekosten steigen, verschärft sich die Inflation, und die Zentralbanken verzögern Zinssenkungen, was letztlich die Liquidität einschränkt, die Bitcoin für seine Entwicklung benötigt.“
Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts am 28. Februar 2025 ist die Volatilität des Bitcoin-Preises deutlich gestiegen – nach einem schnellen Verkaufsanstieg zu Beginn des Konflikts erholte sich der Kurs, der zum Zeitpunkt des Artikels bei etwa 70.434 US-Dollar liegt, leicht über dem Niveau vor dem Konflikt.
Obwohl einige argumentieren, dass Bitcoin eine Art Gold-ähnliches Schutzvermögen ist, betont Laurens Fraussen, Analyst bei Kaiko, klar: „Bitcoin ist ein Risikokapital, kein Rohstoff.“ Er fügt hinzu, dass Bitcoin im vergangenen Jahr „sehr empfindlich auf geopolitische Schocks reagiert hat“ – was bedeutet, dass seine Kursentwicklung eher den Tech-Aktien ähnelt als traditionellen Rohstoffen.
Es ist auch wichtig zu beachten, dass die US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) Bitcoin zwar regulatorisch als Rohstoff ähnlich Gold und Öl einstuft, das tatsächliche Marktverhalten jedoch zeigt, dass Bitcoin meist mit der allgemeinen Risikobereitschaft schwankt und nicht als eigenständiges Wertspeicherinstrument fungiert.
Kurzfristig kann sie eine gewisse Stabilisierung bewirken, aber die Dauerhaftigkeit hängt von der tatsächlichen Schifffahrtslage durch den Persischen Golf ab. Historische Daten zeigen, dass die Ölpreise nach früheren Ankündigungen der IEA trotz der Freigabe weiter stiegen, was darauf hindeutet, dass die Marktpreise mehr von den Erwartungen an Unterbrechungen in der Versorgungskette beeinflusst werden als von den Lagerbeständen. Wenn der Konflikt anhält, ist die Freigabe von 172 Millionen Barrel eher ein psychologisches Signal als eine echte Marktintervention.
Laut Analysen von Kaiko und Ripio würde ein anhaltend hoher Ölpreis die Inflationserwartungen steigen lassen, die Wahrscheinlichkeit einer Verzögerung bei Zinssenkungen durch die Federal Reserve erhöhen und die Liquidität im Markt einschränken – was Druck auf riskante Anlagen wie Bitcoin ausübt. Das historische Beispiel der Bitcoin-Kursstürze nach der „Operation Rising Lion“ im Juni 2025 in Israel zeigt, dass geopolitische Entscheidungen kurzfristig den Bitcoin beeinflussen. Erst nach Trumps Ankündigung, Angriffe zu stoppen, erholte sich der Kurs – was zeigt, dass geopolitische Faktoren eine entscheidende Rolle bei kurzfristigen Bewegungen spielen.
Laut Wright hat die US-Regierung geplant, innerhalb eines Jahres etwa 200 Millionen Barrel wieder aufzufüllen – mehr als die aktuelle Freigabe, und das ohne Kosten für die Steuerzahler. Aus dieser Perspektive ist die Aktion so konzipiert, dass sie kein langfristiges Schwächen der strategischen Energiereserven verursacht, da ein eingebauter Nachfüllmechanismus besteht.